Framing Collective Action – Street

Die Screening-Reihe „Framing Collective Action“ richtet den Blick auf künstlerische und dokumentarische Filme, die in kollektiven Strukturen entstanden sind. Durch die Verknüpfung von historischen und aktuellen Filmbeispielen spürt die Reihe den Potenzialen des kollektiven Filmschaffens und einer vielstimmigen Ästhetik nach. Dabei nehmen die Filmprogramme jeweils einen räumlichen Kontext in den Fokus (Haus, Straße, Land) und fragen danach, was kollektives Filmemachen politisch und gesellschaftlich leisten kann – vor und hinter der Kamera, innerhalb wie außerhalb des Filmkaders.

Die Straße wird immer wieder zur Bühne gesellschaftlicher Kämpfe. Als ein infrastruktureller Raum wird sie zwar täglich benutzt, doch nur durch das gemeinsame und körperliche Besetzen wird die Straße zu einem öffentlichen Austragungsort, an dem gesellschaftspolitische Anliegen verhandelt werden können. Das zeigen die drei ausgewählten Kurzfilme, die sowohl zeitliche als auch räumliche Kontexte überspannen (von 1983 bis 2021 bzw. von Georgetown bis Kinshasa und Wien). Performativ und dokumentarisch, inszeniert und aktivistisch nähern sich die Filme dem Straßenraum und den Spuren, die diesem eingeschrieben sind, an. Dabei zeichnen sie Handlungen auf, die das Erbe des Kolonialismus und Antisemitismus freilegen und Möglichkeiten zur Veränderung öffnen.

Mit Filmen von Collectif Faire-Part, Künstler*innengruppe Schandwache und Victor Jara Collective

Kuratiert von Enar de Dios Rodríguez und Olena Newkryta

■ Victor Jara Collective: In the Sky’s Wild Noise

1983, 29 min.

„In the Sky’s Wild Noise“ des Victor Jara Collective basiert auf einem Interview mit Walter Rodney, dem renommierten guyanischen Historiker, Autor und politischen Aktivisten, der 1980 ermordet wurde. Durch das Verweben der Interviewaufnahme mit Archivmaterial untersucht der Film die politischen, sozialen und wirtschaftlichen Lebensbedingungen der guyanischen Arbeiter*innenklasse der 1970er Jahre.

 ■ Collectif Faire-Part: Faire-Part
2019, 60 min.

Am Vorabend der verschobenen kongolesischen Wahlen machen sich zwei kongolesische und zwei belgische Filmemacher*innen daran, einen Film über Kinshasa und den Widerstand gegen das Erbe des Kolonialismus zu drehen. Das Ergebnis ist „Faire-Part“ vom Collectif Faire-Part. Durch die Dokumentation künstlerischer Performances im öffentlichen Raum und die Bereitschaft, – obwohl die Beteiligten auf unterschiedlichen Seiten der Geschichte stehen – gemeinsam eine Geschichte zu erzählen, zeichnet der Film ein vielschichtiges Bild von Kinshasa und dessen heutigen Beziehung zur Westlichen Welt.

■ Artist group Schandwache: Schandwache

2021, 13 min.

„Schandwache“ der Künstler*innengruppe Schandwache ist eine lose, fragmentarische Videodokumentation der künstlerisch-aktivistischen Interventionen, die 2020 am Karl-Lueger-Denkmal in Wien durchgeführt wurden. Der Film führt Stimmen, Bilder und Eindrücke jener öffentlichen Aktionen zusammen und bietet einen Einblick in eine performative Besetzung, die nicht nur das Denkmal infrage stellte, sondern zu einer kritischen Auseinandersetzung mit der österreichischen Gedenkkultur aufrief.