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Glassplitter schweben durch die Luft. In Zeitlupe. Glas, Eis, Beton: geborsten. Scherben gleiten über unsere Screens, in immer neuen Anordnungen. Ausgehend von der Sogwirkung dieser hoch ästhetisierten und omnipräsenten Zerstörungs-Sequenzen, entwickelt Evan Calder Williams eine Theorie des „Splitterkinos“ (shared cinema)(1). Er beschäftigt sich mit einer Bildproduktion, die er „Composite Images“ nennt, mit Filmbildern, die den Flug der Scherben perfektionieren, und dabei die Technologie, die ihrer Herstellung zugrunde liegt, zu verbergen suchen. Zeitgenössische Filmbilder sind Schichtkörper: sie verbergen in sich Schichten von unterschiedlichen Materialien, Orten und Zeiten. Sie nehmen immer wieder neue Formen an, vermittelt durch eine Vielzahl an Geräten, die in gleichem Maße zu Instrumenten der Übertragung, Überwachung und Störung geworden sind. Im Vordergrund steht ein Kino, das seinen indexikalischen Charakter aufgegeben hat, aber seine Nahtstellen nie ganz verbergen kann: die Fehler, Interferenzen und zersplitterten Screens. Die Filme in diesem Programm beschäftigen sich mit den (Neu-)Fassungen, die bewegte Bilder in einer digitalisierten Welt erfahren sowie mit deren (gesellschafts-)politischen Verschränkungen.
Ein „Travelling“ mittels Licht gegen den Strom der (Film-)Geschichte (Ruhm). „Exposure“ ist weit mehr als ein technisches Konzept (Truttmann). Bildfehler, die durch einen Kopierschutz entstehen, werden zu einem künstlerischen Verfahren (Nsiah). Aufnahmen von der kalkulierten Explosion des ehemaligen Kodak-Labors in Rochester irrlichtern durch soziale Netzwerke. Viktoria Schmid montiert sie zu einer Attraktion der „Wieder-Entstehung“.
Welche "shared spaces" schafft ein solches Kino? Während der „screen“ uns zunächst einmal von dem, was wir sehen, trennt (Kutin/Kindlinger), birgt das Kino als Ort immer schon das Versprechen einer Gemeinschaft der Betrachter*innen in sich (Pöschl). Gemeinschaft stellt Kino jedoch nicht nur im räumlichen Sinne her, denn Erzählungen prägen und konstruieren gleichsam auch nationale Identitäten und Selbstdefinitionen (Simku/Maier/Reiterer).
(1) Evan Calder Williams: Shard Cinema. London: Repeater Books, 2017.




■ LISA TRUTTMANN: 6500
8:34 min
■ VIKTORIA SCHMID: W O W (KODAK)
2:35 min
■ PETER KUTIN/FLORIAN KINDLINGER: THE FIFTH WALL
11:34 min
■ MARLIES PÖSCHL/FARNAZ JURABCHIAN: CINEMA CRISTAL
14:30 min
■ CONSTANZE RUHM: TRAVELLING
02:14
■ LYDIA NSIAH: DISTORTION
4:40 min
■ MARLENE MAIER, ULRICH A. REITERER, MICHAEL SIMKU: FALSE MEMORIES
23 min
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