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„search form“ beschäftigt sich mit Formen des Suchens und Sammelns, aber auch mit der Magie bestehender und vorgefundener Bildwelten sowie den möglichen und unmöglichen künstlerischen Annäherungen an diese.
Die „Suchanfrage“ dient nicht der Vergewisserung, was da war, sie ist mit dem Fund allein nicht abgeschlossen, sondern richtet sich vielmehr an das Vorgefundene selbst. Fundstücke werden zum Ausgangspunkt künstlerischer Prozesse zwischen Aneignung und Verfremdung, zwischen Dokumentation und Imagination. Die Suche wird zur Form an sich.
Historische und persönliche Dokumente, wie auch die Spuren verschiedener Prozesse: Bewegungen, Erfahrungen und Auseinandersetzungen – im physischen wie im politischen Sinne. Sie sind die Impulsgeber in dieser Beschäftigung mit der Wahrnehmung, Darstellbarkeit und Wissensproduktion in analogen und digitalen Medienwelten.
Das Archiv der Fundstücke, jene gesuchten und gefundenen Formen, die gleichermaßen Ausgangspunkt und Gegenstand der Arbeiten bilden, sind in der Ausstellung nicht bloßer Annex oder Fußnote: Sie bilden als „Sektion Objets trouvés“,– ein geordnetes Chaos von Bezugsquellen – das Entrée in die Ausstellung gleich zu Anfang und damit einen ersten Übersetzungsprozess, der über das einzelne Objekt hinausgeht.
Ausgehend von einem „Archiv“ aus „assoziativen Objekten“, die den Konzeptions-, Diskussions- und Entwicklungsprozess dieser Projektausstellung widerspiegeln, wurde Sabine Folie eingeladen, eine Ausstellung innerhalb der Ausstellung zu konzipieren: die „Sektion Objets trouvés“ – als Bezeichnung eine Anspielung auf die Sektionen des fiktiven Museums von Marcel Broodthaers, das „Musée d’art moderne. Département des Aigles“.
Durch mehrfache Übertragungs- und Homogenisierungsprozesse – das Verfahren des Scannens und Fotografierens, die nüchterne, gleichmachende Setzung in Schwarz-Weiß sowie die Rasterung als Verweis auf die Repräsentationalität und Vermitteltheit jedes Objekts – gelingt eine Distanznahme, die das „Original“ zurücksetzt und das Derivative eines jeden künstlerischen Prozesses deutlich macht.
„search form“ versteht sich als Projektausstellung, in der die beteiligten Künstler*innen und Theoretiker*innen in den Recherche- und Entwicklungsprozess miteinbezogen werden.





Idee: Sabine Folie
Grafische Konzeption und Realisierung: Sabine Folie und Simona Obholzer
Das Archiv der Fundstücke, jene gesuchten und gefundenen Formen, die gleichermaßen Ausgangspunkt und Gegenstand der Arbeiten bilden, sind in der Ausstellung nicht bloßer Annex oder Fußnote: Sie bilden als „Sektion Objets trouvés“,– ein geordnetes Chaos von Bezugsquellen – das Entrée in die Ausstellung gleich zu Anfang und damit einen ersten Übersetzungsprozess, der über das einzelne Objekt hinausgeht.
Ausgehend von einem „Archiv“ aus „assoziativen Objekten“, die den Konzeptions-, Diskussions- und Entwicklungsprozess dieser Projektausstellung widerspiegeln, wurde Sabine Folie eingeladen, eine Ausstellung innerhalb der Ausstellung zu konzipieren: die „Sektion Objets trouvés“ – als Bezeichnung eine Anspielung auf die Sektionen des fiktiven Museums von Marcel Broodthaers, das „Musée d’art moderne. Département des Aigles“.
Durch mehrfache Übertragungs- und Homogenisierungsprozesse – das Verfahren des Scannens und Fotografierens, die nüchterne, gleichmachende Setzung in Schwarz-Weiß sowie die Rasterung als Verweis auf die Repräsentationalität und Vermitteltheit jedes Objekts – gelingt eine Distanznahme, die das „Original“ zurücksetzt und das Derivative eines jeden künstlerischen Prozesses deutlich macht.
Single-Channel-Installation, HD, stereo, 2016
Die Lalezar-Straße im Zentrum Teherans - früher Sitz mehrerer Kinos, ist heute geprägt durch eine Vielzahl von Leuchtkörpern, die in den Geschäftslokalen entlang der Straße zum Verkauf angeboten werden. Der Fluss der Bilder, das Kino, scheint aufgebrochen in viele einzelne Lichtquellen. „Cinema cristal“ fügt diese Fragmente in Manier des Experimentalfilms wieder zu einer neuen Komposition, einem Reigen aus Einzelbildern, zusammen. Auf der Ton-Ebene kommen Zeitzeugen, Kinoliebhaber und Theoretiker (u.a. der Architekturtheoretiker Kaveh Mehrhabani) zu Wort und beleuchten so die Bedeutung des Kinos als Erinnerungs-Raum bzw. als sozialer und ästhetischer Raum.
1-Kanal-Installation, Found Footage, Loop, HD 4:3, Farbe & SW, Stereo, 4'40'', 2016
Sound: Billy Roisz
unterstützt von bundeskanzleramt österreich und wienkultur, vertrieben von sixpackfilm
Rückblickend nennt Hans Richter 1949 distortion – Verzerrung, Entstellung, Verdrehung – als ein wesentliches Element im Köcher der historischen Film-Avantgarden. Das Interesse der kommerziellen Filmproduktion an solchen Effekten sei enden wollend gewesen: "Keines dieser ´poetischen Verfremdungsverfahren´ war urheberrechtlich geschützt; die Filmindustrie hat sie trotzdem nicht angerührt." (1) In distortion kehrt die Bildverzerrung fulminant wieder, und zwar ausgerechnet als kommerzielles Copyright-Instrument. Materialbasis des Videos sind DVD-Kompilationen von (großteils kanonischen) experimentellen, ephemeren und Animationsfilmen. Deren Kopierschutz-Enkodierung erzeugt beim Vervielfältigen digitale Artefakte, die nun Bildfindungen von Duchamp, Léger oder Lye [...] in eine Entstaltung zweiter Ordnung überführen. [...] Die Störsignale [...] versetzen Nsiahs rhythmische Montage und Billy Roisz´ aus dem Bildmaterial destilliertes, fein moduliertes Tonspurrauschen zurück ins Labor der Avantgarden. Dort bedeutete das Spiel mit Überforderungen Befragung des (medientechnisch wie perzeptuell) Gegebenen und Entwurf des Neuen. Dass gerade Werke der Filmavantgarde auf DVD ihre apparative Arbeitsgrundlage (16-24 Einzelkader pro Sekunde) verlieren, gibt der Geste erst ihre durchtriebene Ironie. Die letzte Einstellung von distortion, ein Landschaftsbild, gibt den Wechsel zur digitalen Laufbildprozessierung als Horizontverschiebung zu sehen. (Joachim Schätz)
(1) Hans Richter: The Avant-Garde Film Seen from Within. – In: Hollywood Quarterly, Heft 4, Herbst 1949. S. 37.
Skulptur, Installation, 2016
“Platitude and profoundness, banality and drama”
–Henri Lefebvre
Es gilt gemeinhin als ausgemacht, dass Beschleunigung, Geschwindigkeit die Bedingung der Moderne ist. Doch alles hat seine Kehrseite, und die Moderne brachte auch Trägheit, starre Erstarrung und Wiederholung mit sich: Langeweile.
Henri Lefebvre schrieb: „Die Bedrohung durch eine massive Langeweile schwebt über uns: erschöpfte Themen, abgenutzte Ausdrucksweisen, universeller Pleonasmus, monoton ‚private‘ Spektakel usw.“
Langeweile war einst an Innenräume gebunden. Doch seit sich unser Innenraum ausgeweitet hat und wir alle ein Portal zu unserem Inneren in der Tasche tragen, können wir überall und jederzeit gelangweilt sein.
Da viele von uns heute überall arbeiten können, verschwimmen die Grenzen zwischen Wohn- und Arbeitsraum zunehmend. Und was bedeutet das für die Gestaltung von Innenräumen? Dringt der Bürostuhl ins Schlafzimmer vor? Kehren Daybed und Chaiselongue zurück? Kurz: Wie sieht ein Raum für zeitgenössisches Denken aus?
Du musst dich bewegen können –
körperlich oder gedanklich –
zwischen Räumen,um einen Gedanken zu konstruieren.
Das Gefäß, was immer es sei –
materiell oder virtuell –
liefert nicht automatisch ein Ziel.
Gewöhnlich
bist du in einem Raum gefangen,
der nicht größer ist als deine Fähigkeit, ihn dir vorzustellen.
Eine Reise loser Aufmerksamkeit,
ein Blick aus einem Fenster,
in ein Fenster hinein.
1-Kanal-Installation, Found Footage Film, Loop,Farbe/SW, Stereo, 02’28’, 2016
unterstützt von bundeskanzleramt österreich, wienkultur, Österreichisches Filmmuseum
Ghost Copy greift die formale Struktur der filmischen Dokumentation des Wiener Spaziergangs (Günter Brus, 1965) auf und beschäftigt sich mit dem Nachleben dieses zeitbasierten Kunstwerks anhand der Verknüpfung mit ephemerem Archivfilmmaterial (Amateurfilme aus den 1930er bis 1960er Jahren). Das rasante Schnittmuster des Wiener Spaziergangs dient als Matrix für die Montage und Reanimation von Amateurbildern, die zwischen Schwarzkadern aufblitzen. Diese persönlichen wie kollektiven stark fragmentierten Gedächtnisbilder verweisen als „memory trigger“ auf die gesellschaftspolitische Aufladung der damals abgebildeten und imaginierten Verhältnisse. Handyaufnahmen einer heutigen vom Krieg geprägten Generation - Dokumente aktueller Grenzziehungen und Ausgrenzungsverhältnisse - bilden die Tonspur der Sequenz.
Freistehendes, skulpturales Objekt mit Prägedruck auf Büttenpapier, 2016
Ausgangspunkt der Arbeit ist die Bildersammlung des Josephinums in Wien, welches die historischen Bestände der Medizinischen Universität verwahrt und pflegt. Die Sammlung geht auf den Arzt und Medizinhistoriker Max Neuburger zurück, der von 1906 bis zu seiner Entlassung im Zuge des Austrofaschismus u.a. Fotografien, Illustrationen und Drucke archivierte. Die Einlagerung und die Registrierung dieser Dokumente durch ein archivarisches Zettelkastensystem zeugen von einem Interesse Räume, Objekte und Praktiken aus der inner- wie aussereuropäischen Volkskultur in eine westliche Schulmedizingeschichte einzuordnen. Darüberhinaus belegen sie das Interesse an einer Kultur- bwz. Kunstgeschichte der Medizin.
Found Footage Video – Installation, Endlosloop, sw, ohne Ton, 2015/16
Gesten als Mittel der nonverbalen Kommunikation befinden sich trotz des Versuchs der Vermittlung und Entschlüsselung von Eindeutigem stets in einem interpretatorischen Schwebezustand. Dieses abseits und dazwischen findet im Film seine Entsprechung im „Hors-champ“, - also jenem Bereich, der sich außerhalb des Bildfeldes befindet und, -so Gille Deleuze „ein Universum oder eine im eigentlichen Sinne unbegrenzte Abbildungsebene der Materie“ bildet. Dieses Off betrifft nicht nur einen Ort, sondern auch die Zeit: ein Verweis auf bereits Vergangenes, die Gegenwart oder zukünftige Vorstellungen, Ängste, Wünsche und Utopien. Ausgangsmaterial der Found Footage Videoinstallation „Once the day will come“ ist der Science Fiction Film „Frau im Mond“(1929) von Fritz Lang, der anlässlich des Films den Countdown erfand, der den Start der Rakete wie bei den tatsächlichen, späteren Weltraumflügen einleitet. Die Installation konzentriert Szenen der Geste des Zeigens und arrangiert diese zirkulierend wie Zeiger einer Uhr, der je nach Betrachtungspunkt im Ausstellungsraum vorwärts – oder rückwärts verläuft.
2- Kanal Video Installation, HD, Farbe & sw, ohne Ton, Endlos- Loops, Linker Kanal: 0:22 min., Rechter Kanal: 5:46 min., 2016
Kamera: Gustav Deutsch
Editing: Lydia Nsiah
Ein Medientransfer vom Film zum Standbild, vom Standbild zur Zeichnung und von der Zeichnung zum Film. Ein der Bildbank für den Foundfootage- Film von Gustav Deutsch Film ist. a girl & a gun entnommener Film bildet den Ausgangspunkt für die Videoinstallation. Ein Tageslichtschreiber dient als Tool für die Umwandlung eines, seiner ursprünglichen Bewegung im Film entzogenen Stehkaders in eine Zeichnung. Die Zeichnung, wie der Film, repräsentiert eine individuelle Darstellung von Wirklichkeit. Die aus dem Film The Modern Magician ausgewählte Filmsequenz steht programmatisch für den Inhalt dieser Arbeit: eine Reflexion über das Festhalten, das Verschwinden und das Transformieren von (Film) Bildern.
Performance und Video, Farbe, Ton, 5 min. 2016
Der Titel geht auf den kurzen Essay „Der Fremde“ von Georg Simmel zurück, in dem er den Fremden als eine Figur beschreibt, die zugleich vertraut und unbekannt ist. Zugleich führt uns der kurze Text „Der Erzähler“ von Walter Benjamin in die Figur des Erzählers ein, der ebenfalls eine Form des Fremden verkörpert.
Die Performance- und Videoarbeit nimmt ihren Ausgang im Familienarchiv der Großtante von Bilir-Meier: einer Videoaufnahme vom 16.03.03 in Mersin (Türkei), in der ihre Großtante Melahat ihren Verwandten als „Erzählerin“ Geschichten berichtet. Sie spricht über frühere Leben, in denen sie der Familie fremd ist. Diese im häuslichen Raum erzählten Geschichten verbinden persönliche und gesellschaftliche Aspekte und berühren Themen, die über Melahats eigene Geschichte hinausgehen.
In ihren Arbeiten beschäftigen sich belit sağ und Cana Bilir-Meier mit unterschiedlichen Formen von Archiven sowie mit Fragen von Recherche, Repräsentation und Sichtbarkeit.
Found Footage/HD (digital und analog), Video Essay, ca 15 - 20 min.
Die geplante Arbeit (Teil 2) knüpft an eine vorausgehende Arbeite (Teil 1) an. Sie führt eine Figur - die des Tauchers fort. Jener, der sich nach Schiffbruch auf dem Weg an den Meeresgrund, in die Bars von Atlantis (Teil 3) befindet, strandet auf der Insel Kithera, dem Geburtsort von Aphrodite und Motiv einer aus der Kunstgeschichte stammenden dargestellten Utopie, durch Scheitern beeinflusst und immer wieder zum Ideal erklärt. Anhand dieser Bedingung soll in einer „Blackbox-Rätsel-Klammer“ die zu erzählende „White-Cube“ Geschichte, situiert werden. Am Anfang war das Rätsel. Und der Koffer. Koffer voll irgendwas. Bilder, Informationen, Erinnerungen, Müll. Aufgeblasen wie ein Ballon, der zu schwer zum Fliegen ist. Alles hat einen Gemeinplatz, der das Bilderbuch, die Bibliotheken von Babel, die Müllhalden vereint. Nennt es Archiv oder Kanon oder Gedächtnis, auf den Namen kommt es nicht an. Irgendwo dazwischen bewegt sich ein kollektives Gedächtnis. Die Projektionsfläche. Erst die „archivarische Geste“, ein Akt der „Konsignation“, eine Verortung in ein Zeichensystem macht das Archiv, macht den Autor, den „neuen Archivar“. Was ist Kopie, was Original. Was womöglich Realität? Hier ist meine Bühne, mein Land, meine Grenze, mein Selfie. Dies ist das Archiv. Der Urlaubsort. Wo ist der Ursprung? In der Projektion des Subjektiven wird er unser Ozean, unser Unser, unsere Blackbox, unsere Ermittlung. Das JA-NEIN. Dieser Ort benennt Dinge, die dadurch erst zu Dingen
Werden. Reale Wege werden medial, wirkliche Konflikte virtuell. Aber unser kollektives Gedächtnis wächst und wickelt sich um unsere Bewegungen, Träume und Sehnsüchte. Bis an den Grund des Meeres. Bis ans Ende der Erinnerung. Immer Mythos. Von hier aus schauen wir ins Leere. Schiffbruch mit Zuschauer. Und Taucher. Zwischen Auftauchen und Ertrinken.
Video, HD, Farbe und sw, Ton, 9:24 min., 2016
„Große Gesten auf engem Raum“: In einem Keller der Akademie der bildenden Künste Wien stehen dicht gedrängt Gipsabgüsse von berühmten Skulpturen der Antike und Renaissance. Es handelt sich um die Reste der einst 4000 Exponate umfassenden Glyptothek aus dem 18. und 19. Jahrhundert.
Ein leises Unbehagen mit dem nostalgisch-morbiden Gipsmuseum führt zur Spurensuche nach dem Verworfenen, Ausgeschlossenen in Zeiten der Selbstaufwertung durch antike Erhabenheit. Ein 100 Jahre altes Filmdokument zeigt Verbindungen zwischen dem Gipsmuseum und seinem historischen und politischen Kontext auf: Klassizistische Ästhetik und koloniale Forschung gehen Hand in Hand.
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