■ DATUM:
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■ KONZEPT UND REALISATION:
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■ ANSCHLIEßENDES Q+A MIT DEN FILMEMACHERINNEN:



Auf einem Bahnhofsgelände in Cincinnati, Ohio, stellt Nora Sweeney mit einer selbstgebauten Camera obscura die Bilder auf den Kopf, sodass Güterzüge über dem Horizont vorbeischießen und sich der Himmel unterhalb verflüssigt. Mit „Fausto and Emilio“, zwei älteren Herren und ihrem Barbershop in der Innenstadt Cincinnatis, öffnet die Filmemacherin ein Fenster in eine frühere Zeit: Die stilvolle türkisgrüne Einrichtung und unzählige Erinnerungsstücke erzählen ihre eigenen Geschichten. In Südkalifornien begegnen wir der 89-jährigen Inez und ihren Hühnern; in Orangenhainen den Erntearbeiter*innen Jaime, Blanca und Hugo; einer Gruppe älterer armenischer Männer beim Kartenspielen im Park, und Menschen aus unterschiedlichen Gemeinschaften entlang des Los Angeles Rivers. Auch wenn Sweeney und ihre Protagonist*innen nicht immer dieselbe Sprache sprechen, scheinen sie einander zu verstehen, und vermitteln dabei ein Vertrauen, das auf Gegenseitigkeit beruht. Mit ihren 16mm Filmen, die sie selbst mit einer Bolex dreht, erschafft Sweeney eine intime Langsamkeit, die sowohl im Entstehungsprozess als auch auf der Leinwand spürbar wird – eine Langsamkeit, in der jedes Einzelbild etwas erzählt.


Gesamtdauer: 72 min.
Alle Filme auf 16mm, in englischer Sprache bzw. Englisch untertitelt.
Filmbeschreibungen von Nora Sweeney
Ein filmisches Porträt eines Güterbahnhofs in Cincinnati, Ohio.
„I like it... because it’s my job.“ Warten, schneiden, rasieren, rauchen und plaudern. Das sind die täglichen Rhythmen in einem Friseursalon in der Innenstadt von Cincinnati, Ohio, wo die Brüder Fausto (83) und Emilio (75) seit Jahrzehnten zusammenarbeiten. Der Friseursalon mit seinen türkisfarbenen Friseurstühlen, Porzellanwaschbecken, einer Sammlung von Glasflaschen mit Aftershaves und alten Postkarten aus Italien ist mehr als nur ein Arbeitsplatz – er ist ein Fenster in eine vergangene Zeit.
Inez McWright, eine 89-jährige afroamerikanische Frau aus dem ländlichen Louisiana, lebt seit 1956 in Val Verde, Kalifornien. Sie nähert sich dem fortschreitenden Alter mit Gelassenheit und arbeitet jeden Tag in ihrem Garten. Sie bleibt lieber aktiv, anstatt sich ihren Beschwerden hinzugeben.
Nora Sweeney reist Richtung Westen und erkundet abgelegene Nebenstraßen entlang der California State Route 126. Sie entdeckt kleine, historische Orte, Bauernhöfe und Eisenbahntrassen, eingebettet zwischen Bergen und Obstgärten – eine Landschaft, die Traumvorstellungen von Kaliforniens Vergangenheit evoziert und vielleicht jenen Erwartungen ähnelt, die Wanderarbeiter in den 1930er Jahren auf ihrer Reise Richtung Westen hatten: ein lebendiges, fruchtbares Gelobtes Land. Diese Migration dauert auch heute an. In einem Orangenhain trifft die Filmemacherin Jaime, Blanca und Hugo, eine Gruppe von Orangenpflücker*innen aus Michoacán, Mexiko, die Lieder, Träume, Hoffnungen und Gedanken über ihre Arbeit vor der Kamera teilen.
In einem Park in Glendale, Kalifornien trifft sich täglich eine Gruppe älterer, armenischer Männer um Karten, Backgammon und Domino zu spielen. Lachend, singend und diskutierend verwandeln sie den öffentlichen Raum in ein Portal zu ihren Heimatländern und verbringen gemeinsam Zeit während sie älter werden.
In „The Concrete River“ erkundet Nora Sweeney, wie Menschen unterschiedlicher Gemeinschaften ihre freie Zeit entlang des Los Angeles River verbringen. Der 51 Meilen lange, zum Großteil mit Beton kanalisierte Wasserlauf durchkreuzt verschiedene Stadtviertel im Großraum Los Angeles. Die Menschen hier angeln, skateboarden, malen, musizieren, genießen stille Momente in der Landschaft oder schaffen sich am Flussufer einen eigenen Lebensraum. Gleichzeitig nisten Reiher und Silberreiher in Bäumen, die mitten im Fluss wachsen. Nora Sweeneys Faszination gilt dem Fluss als unkontrollierten öffentlichen Raum, wo Menschen einander und einem Naturraum begegnen und der Stadt eine Zeit lang entkommen.

Foto: © Julianna Boehm
Nora Sweeney lebt und arbeitet als Filmemacherin in Los Angeles, wo sie derzeit am Pierce College unterrichtet. Aufgewachsen in Cincinnati, Ohio, studierte sie Kunst am Oberlin College (BA) und lebte danach zwei Jahre lang in Madurai, Indien, wo sie im Rahmen des Oberlin Shansi Fellowships Dokumentarfilm und Fotografie an einem Frauencollege unterrichtete. Es folgten ein Studium Film/Video (MFA) und eine achtjährige Lehrtätigkeit im Bereich der 16mm Filmproduktion am CalArts, Kalifornien. Ihre Filme wurden u.a. beim Alchemy Film and Moving Image Festival, Edinburgh International Film Festival, REDCAT, Antimatter und beim Milwaukee Underground Film Festival präsentiert und mit Preisen ausgezeichnet. Im Jahr 2024 wurde ihren Filmen eine Werkschau im Los Angeles Filmforum gewidmet.
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