CJC1
Anielle Weinberger, Filmstill aus „Jemina, Fille des Montagnes”, 1971
Film Screening und Lecture

■ DATUM:

Screening Programm: 07.05.19 I 19:00 Uhr
Lecture und Screening Programm II: 08.05.19 I 18:30 Uhr

■ ORT:

Medienwerkstatt Wien
Neubaugasse 40a, 1070 Wien

■ KÜNSTLERINNEN:

Yves-Marie Mahé, Anielle Weinberger, Davorin Marc, Amber Bemak & Nadia Granados, Steve Evans, Doris Chase, Pierre Merejkowsky, Stéphane Marti, Derek Woolfenden

■ ORGANISATOR*INNEN:

Bárbara Palomino Ruiz

■ VORTRAGENDE:

Théo Deliyannis
Das Programm beleuchtet in Filmvorführungen und einer Lecture die Geschichte und Dynamik des französischen Experimentalfilms sowie kollektiver Filmpraktiken. Durch historische Einblicke, Gespräche und eine bewusst vielschichtig zusammengestellte Auswahl an Arbeiten entsteht ein differenziertes Bild von Kooperation, institutionellen Veränderungen und den Spuren individueller Beiträge innerhalb gemeinschaftlicher Strukturen.

Screening Programm I
Dienstag, 07.05.2019
19:00 Uhr

Une Certaine Histoire du Cinéma Expérimental Français
(Eine Geschichte des Französischen Experimentalfilms)
Regie: Yves-Marie Mahé
Frankreich, 2019, Digital File, 80 min (englische Untertitel)

Gegründet in der zweiten Hälfte der 1990er, ist „L’Etna“ eine Experimentalfilm-Vereinigung, die den Wechsel von Zelluloid zu Digital miterlebt hat. Ihr Sitz im Zentrum von Paris konnte der Gentrifizierung nichtstandhalten. Interviews mit Sébastien Ronceray, Hugo Verlinde, Othello Vilgard, Carole Arcega, David Matarasso, Mathilde De Romefort, Derek Woolfenden, Boris Du Boullay, Sébastien Cros & Nicole Brenez. Zu sehensind Philippe Cote, Lionel Soukaz, Stéphane Du Mesnildot, Maurice Lemaître, Marc Plas, Xavier Baert, René Vautier, Julien Pappé, Peter Tscherkassky & Noir Désir.

Lecture und Screening Programm II
Mittwoch, 08.05.19
18:30 Uhr

Micro-History of Collectif Jeune Cinéma
(Mikro-Geschichte des Collectif Jeune Cinéma)
Lecture von Théo Deliyannis
Moderiert von Bárbara Palomino Ruiz
Dauer: ca. 70 min + Diskussion

In dieser Lecture wird die Geschichte des Collectif Jeune Cinéma freigelegt. 1971 in Paris gegründet, erlebte die Filmemacher-Kooperative viele Änderungen, im Katalog und in der Organisation. Verortet wird diese Geschichte in der französischen Experimentalfilmszene der 70er Jahre, die noch immer recht unbekannt ist. Historische Fakten, Dokumente und Mikro-Geschichte anhand von Details werden uns im Gespräch helfen zu verstehen, wie das CJC mit dem „Kollektiv“ umging. Wie Arbeit in der Kooperative organisiert war; welches die Wege waren dem Collectif beizutreten; in welchen Räumen CJC zusammenfindet; wie die gegenwärtigen Mitglieder mit den alten umgehen etc.

20:15 Uhr
Inside the Collectif
(Im Inneren des Collectif)
Screening Programm
Dauer: 70 min + Präsentation

Diese Programmierung folgt keiner homogenen Kuratierung, bei der aneinandergereihte Filme eine gemeinsame Idee oder ein Muster enthüllen. Die Filme werden weniger aufgrund ihrer ästhetischen Qualitäten oder ihres Inhalts ausgewählt, sondern vielmehr wegen der metafilmischen Geschichte, die jeder einzelne Film im Rahmen des Collectif Jeune Cinéma-Katalogs einnimmt. Auf diese Weise, nachdem das Kollektiv durch das Kommen und Gehen seiner Mitglieder und durchdie Inaktivität oder Hyperaktivität eines jeden*einer jeden geformt wird, dienen die Filme auch als Beispiele für unterschiedliche Wege das Kollektiv zu betreten (oder zu verlassen). Indem außerdem ältere Filme gezeigt werden betont die Programmierung die Tatsache, dass sich das „Kollektiv“ des CJC nicht nur auf die Gegenwart bezieht: Im Gegenteil besteht die Idee darin, eine Spur der Mitarbeit aller zu erhalten, ob es nun schon viele Jahre so geht oder nur einen Abend lang gedauert hat.

■ ANIELLE WEINBERGER: JEMINA, FILLE DES MONTAGNES (JEMINA, DAS MÄDCHEN AUS DEN BERGEN)
Frankreich, 1971, Digital File, Original 16 mm, 10 min (englische Untertitel)
„Jemina, Fille des Montagnes” spielt mit unterschiedlichen Elementen: literarische Stereotypen der Kurzgeschichte F. Scott Fitzgeralds, die flammende Romantik eines Wiener Walzers, durch lange Einstellungen idealisierte weibliche Schönheit, manche weiß, manche schwarz, eine Farbexplosion, das Eindringen von Rosa und Grün. Der Film verhöhnt das klassische Kino Hollywoods und führt die grundsätzliche Diskontinuität jedes Films, jedes filmischen Textes aus. Die Freude an Text, die Freude am Kino.

■ DAVORIN MARC: DOBRODOŠLICA. (WILLKOMMEN.)
Slowenien, 2017, Digital File, 3 min
land) (scape
(Animation von Standbildern)

■ AMBER BEMAK & NADIA GRANADOS: BORDERHOLE (GRENZLOCH)
USA / Kolumbien, 2017, Digital File, 14 min
„Borderhole” spielt sich an einer mythischen Grenze zwischen Kolumbien und den USA ab. Die Regisseurinnen untersuchen das Verhältnis zwischen Nord- und Südamerika durch die Linse des amerikanischen Traums und der Beleuchtung vielfacher Spannungen in und an der Grenze. Das Werk erforscht Imperialismus, Globalisierung durch Popmusik, die Varianten von Geschlecht in einem internationalen Kontext und die Choreographie weiblicher Körper in Bezug zu soziopolischen Systemen und Ökosystemen.

■ STEVE EVANS: KARL MARX
USA, 1975, Digital File, Original 16 mm, 3 min
„Ein Bild von Karl Marx, sein Name rückwärts gesprochen, drei Kritzeleien in roter, blauer und schwarzer Farbe: Fünf kombinierte Elemente ergeben einen dreiminütigen Film. Für den Fall, dass die Geschichte diesen Mann vergisst.“ Jean-Pierre Ceton

■ DORIS CHASE: DANCE FRAMES (TANZBILDER)
USA, 1978,Digital File, Original 16 mm, 6 min
Die menschliche Form wird in einem Arrangement mit der geometrischen Form durch die Nebeneinanderstellung von Farbe und Linie für eine Erforschung in Richtung einer dritten Dimension eingesetzt. Musik von Joan Labarbara. Choreographie/Tanz: Sara Rudner.

■ PIERRE MEREJKOWSKY: LE CASTING (DAS CASTING)
Frankreich, 2004, Digital File, 11 min
Pierre Merejkowsky empfängt Schauspieler*innen in seiner Wohnung. Er trägt eine Kamera-Brille und erklärt ihnen sein nächstes Filmprojekt.

■ STÉPHANE MARTI: SUR MON COU (AUF MEINEM HALS)
Frankreich, 2009, Digital File, Original Super 8, 4 min
Ausschnitte aus Jean Genets Un Chant d’Amour (1950), absolutes Fetisch-Film-Poem, werden als sich bewegende Tattoos auf einem liegenden Körper gezeigt, der sich Bissen von Sinnlichkeit ergibt.

■ DEREK WOOLFENDEN: ANGLE MORT (TOTER WINKEL)
Frankreich, 2018, Digital File, 18 min
Dieser Film folgt einem sich entfaltenden News-Spektakel rund um die Geschichte eines Mannes, der zwei andere Personen auf einen öffentlichen Platz ersticht. Das Bild, das dieses unfreiwillig grausame Schauspiel einfängt, wird durch Videofragmente eines Cinephilen ersetzt, der eines dieser Leben gerettet hat. Dies erlaubt dem Film einen subjektiven Blickwinkel einzunehmen. Die durch diese Perspektive eingesetzte instinktive und filmische Vorstellung fordert die Dauer seiner Qualen heraus und hilft ihm beim Überleben…

■ FILM SURPRISE (ÜBERRASCHUNGSFILM)
Frankreich, 1999, Digital File, Original 16 mm, 2 min

■ Théo Deliyannis ist Filmemacher, Kurator und Manager des Collectif Jeune Cinéma.

■ Das Collectif Jeune Cinéma, gegründet 1971, fördert visuell-experimentelle Praktiken einschließlich des Vertriebs von Experimentalfilmen, monatliche Screenings und des alljährlichen Paris Festival for Different and Experimental Cinema.