LIQUID TIMES, EMBODIED PLACES

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Caitlin Berrigan, Filmstill aus „Imaginary Explosions, episode 1, Eyjafjallajökull“, 2018
Kurzfilmprogramm

■ DATUM:

20.10.2022 | 21:00

■ ORT:

IFK Internationales Forschungszentrum Kulturwissenschaften
Kunstuniversität Linz
Hauptplatz 5-6, 4020 Linz
Sofa-Hörsaal

■ KÜNSTLERINNEN:

Caitlin Berrigan, Enar de Dios Rodríguez, Marie Gavois und Michel Klöfkorn, Katrin Hornek, Sasha Litvintseva, Lisa RaveCaitlin Berrigan,

DETAILS:

Im Rahmen der gemeinsamen Eröffnungstagung „Situiert im Globalen“
des IFK und der Kunstuniversität Linz

■ KURATIERT VON:

Katharina Swoboda und Lisa Truttmann
Tiere, Pflanzen, Viren, Objekte, Algorithmen und Wetterphänomene: Sie alle interagieren mit uns. Wir sind mit unzähligen Organismen und Kreisläufen verschränkt. So beunruhigend in diesem Lichte der faustische Pakt mit Technologie auch scheinen mag – wir sind auf sie angewiesen, wenn wir einen Weg aus den Krisen finden wollen. Die in Wien verortete Plattform für Kunst und Bewegtbild The Golden Pixel Cooperative kuratiert ein spezielles Filmprogramm: durch Zeiten und Genres springend, werden filmische Auseinandersetzungen über Mensch und Natur, über Umwelt und Kapitalozän, über Verflechtungen und fließende Grenzen präsentiert). Gestein, Getier, Gewucher – in 25 Bildern pro Sekunde.

Filmprogramm (90 min.)

„Imaginary Explosions, episode 1, Eyjafjallajökull“, Caitlin Berrigan, 2018, 11:21 min.
„Europium“, Lisa Rave, 2014, 21 min.
„Studies after Nature“, Katrin Hornek, 2015, 9:18 min.
„Jaime's House“, Marie Gavois, Michel Klöfkorn, 2021, 4:38 min.
„Every Rupture“, Sasha Litvintseva, 2020, 13 min.
„Liquid ground“, Enar de Dios Rodríguez, 2021, 31:46 min.

■ Caitlin Berrigan: Imaginary Explosions, episode 1, Eyjafjallajökull

Englisch, mit englischen Untertitel, Farbe, 11:21 min., 2018

„Imaginary Explosions“ folgt einer Gruppe transfeministischer Wissenschaftler*innen, die dem Wunsch der Erde nachkommen wollen, alle Vulkane gleichzeitig ausbrechen zu lassen. Sie interpretieren vulkanische Aktivitäten verschiedener Orte und Zeiten und verfolgen ein gemeinsames Ziel: technisch-wissenschaftliche Instrumente von ihrer militärischen und wirtschaftlichen Macht zu befreien und sie wieder in den Dienst der Erde zu stellen. Der Film untersucht mithilfe von Geologie und verkörpertem Wissen, wie uns Tiefenzeit und Kommunikation zwischen Spezies bei einer radikalen Transformation des Planeten helfen könnten.
Die erste Video-Episode konzentriert sich auf den Ausbruch des Vulkans Islands Eyjafjallajökull im Jahr 2010, als die „Deep Time“ der vulkanischen Aktivität in die menschliche Zeit des globalen Flugverkehrs eingebracht wird. Zeitskalen und affektive Verkörperungen verschieben sich über die geologische Zeit, die Schneckenzeit, die menschliche Zeit und das schnelle Tempo des Medienzyklus. Künstler*innen und Wissenschaftler*innen, deren Arbeit im realen Leben die Grenzen von Wissenschaft und Kultur erweitert, spielen in den Videos fiktionalisierte Versionen ihrer selbst und wirken an den Partituren, Erzählungen und Skulpturen der Erzählungen mit. Die spekulative, fiktive Kosmologie erforscht, welche Versionen von Gegenwart und Zukunft möglich werden, wenn wir beginnen, über den Rahmen des Menschlichen hinauszudenken.

 

■ Lisa Rave: Europium

Englisch und Deutsch, mit englischen Untertitel, Farbe, 21 min., 2014

Was hat der magische Spiritismus indigener Völker mit profanen digitalen Flachbildschirmen zu tun und was verbindet das traditionelle Muschelgeld „Tabu“ mit der europäischen Währung? Lisa Raves „Europium“ stellt Verbindungen zwischen der kolonialen Vergangenheit Papua-Neuguineas und der geplanten Schürfung der Seltenen Erde Europium aus der Bismarcksee im Pazifischen Ozean her. Auf verschiedenen Bildebenen webt der Essayfilm eine Erzählung um Europium, dessen fluoreszierende Eigenschaften verwendet werden, um europäische Banknoten zu validieren und die Farbbrillanz auf Flachbildschirmoberflächen zu gewährleisten. Der Film beschreibt diese scheinbar banale Tatsache als Rückkehr und Wiederholung der Geschichte, weist auf die menschliche und ökologische Gewalt hin, die der Gewinnung und Umwandlung eines Rohstoffs in Geldwert innewohnt – und enthüllt gleichzeitig die unsichtbaren Geister der Vergangenheit, wie sie in modernen Gegenständen unseres Lebens erscheinen.

■ Katrin Hornek: Studies after Nature

Ohne Dialog, Farbe, 9:18 min., 2015

Studies after Nature ist eine Anleitung, ein Episodenfilm über den spielerischen Umgang mit der Natur nach dem Ende ihrer Natürlichkeit. Auf der Suche nach den verschobenen Kräften hinter den Formen werden Pilze – naturwissenschaftliche Mischwesen zwischen Tier und Pflanze – eingesetzt, um die Verflechtungen zwischen Subjekten und Objekten zu begreifen.

 

■ Marie Gavois, Michel Klöfkorn: Jaime's House

Ohne Dialog, Farbe, 4:38 min., 2021

Der Lockdown hat uns bei den Dreharbeiten in den spanischen Pyrenäen überrascht. Das ganze Land wurde von einem Tag auf den anderen unter Hausarrest gestellt. Wir versteckten uns in den Bergen. Wo hätten wir auch sonst hingehen sollen? Leben wir bereits in einer Collage und haben es nicht bemerkt?

 

■ Sasha Litvintseva: Every Rupture

Englisch, Farbe, 13 min., 2020

Ein Kreuzfahrtschiff während des Brexit-Referendums. Eine Vogelkolonie, die unwissentlich den Wald tötet, den sie ihr Zuhause nennen. Eine Welt in einer Pandemie. Nichts ist ein abgeschlossenes System. In der Bewegung durch diese drei Ökologien hinterfragt der Film, was alte Bilder nach einem Bruch bedeuten können und eröffnet einen Raum der Trauer.

 

■ Enar de Dios Rodríguez: Liquid ground

Englisch mit deutschen Untertitel, Farbe, 31:46 min., 2021

Obwohl die Ozeane mehr als 70% der Erde ausmachen, ist bisher nur ein sehr kleiner Teil des Meeresbodens kartiert worden. In den letzten Jahren hat sich die Kartierung dieser Räume jedoch aufgrund verschiedener wirtschaftlicher, geopolitischer und wissenschaftlicher Interessen beschleunigt, die entschlossen sind, einen „neuen Kontinent“ zu schaffen, der unter dem Meer erforscht und ausgebeutet werden soll. „Liquid ground“ ist ein Video-Essay, der den Meeresboden und seine aktuelle Kartografie als thematische Achse nimmt, um über Kolonialismus, Ökologie und Repräsentation zu sprechen.