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Shirin Barghnavard, Firouzeh Khosrovani, Farahnaz Sharifi, Mina Keshavarz, Sepideh Abtahi, Sahar Salahshoor, Nahid Rezaei, Filmstill aus „Profession: Documentarist”, 2014
Screening und Lectures

■ DATUM:

5.–7.10.2017

■ ORT:

Topkino Wien & Atelierhaus der Akademie der bildenden Künste Wien

■ KONZEPT UND REALISATION:

Lydia Nsiah, Marlies Pöschl, Bernhard Staudinger

GÄSTE:

Shirin Barghnavard, Azadeh Fatehrad, Farnaz Jurabchian, Mohammadreza Jurabchian, Dominik Kamalzadeh, Sepideh Karami, Sahar Salahshoor, Sandra Schäfer and Matthias Wittmann.
Jene Tage, da aus einer Spalte zwischen meinen Lidern / Meine Lieder quollen so wie pralle Luftballons / Und mein Auge alles, was an ihm vroüberglitt / Trank wie eine Schale frische Milch (Forugh Farrochzād, Jene Tage/)

Die Film- und Vortragsreihe „Jene Tage / آن روزها” widmet sich der Präsentation und Diskussion von dokumentarischen, künstlerischen und essayistischen Filmformen mit Bezug zum Iran. Ausgehend von dem kollektiv produzierten Film Profession: Documentarist (IRN, 2014), einer kaleidoskop- artigen Dokumentation der Lebens- und Arbeitsrealitäten von Filmemacherinnen im gegenwärtigen Iran, thematisiert die Reihe aktuelle Diskurse und Fragen von Feminismus, Migration und Diaspora.

Als Gäste bei unserer Veranstaltung werden wir Shirin Barghnavard, Azadeh Fatehrad, Farnaz Jurabchian, Mohammadreza Jurabchian, Dominik Kamalzadeh, Sepideh Karami, Sahar Salahshoor, Sandra Schäfer und Matthias Wittmann begrüßen dürfen.

FILMEN:

■ SHIRIN BARGHNAVARD, FIROUZEH KHOSROVANI, FARAHNAZ SHARI, MINA KESHAVARZ, SEPIDEH ABTAHI, SAHAR SALAHSHOOR, NAHID REZAEI: PROFESSION: DOCUMENTARIST / HERFEH: MOSTANADSAZ / حرفه: مستندساز
2014, 80 min.

Vor dem Hintergrund jüngster politischer, sozialer und ökonomischer Krisen im Iran entwerfen sieben Dokumentarfilmerinnen ihre Beiträge, die von Zensur und Emigration handeln; sich mit Computerspielen, Familienarchiven oder mit dem Blick auf ein Gefängnisgebäude beschäftigen. Stets im Mittelpunkt: das Verhältnis zwischen dem Privaten und dem Politischen.

 

■ SANDRA SCHÄFER: ON THE SET OF 1978FF
2011, 58 min.

on the set of 1978ff arbeitet mit verschiedenen Beteiligten an einer Re-Lektüre der Iranischen Revolution. Ausgehend von medialen und diskursiven Zeugnissen untersucht der Film die Revolution als transnationales Ereignis und ihre Transformation von einer anti-imperialistischen, feministischen und spirituellen Bewegung in eine Islamische Revolution.

 

■ SHAHR KEYWAN KARIMI:نوشتن بر شهر / WRITING ON THE CITY / NEVESHTAN BAR
2015, 60 min.

Die Wand als Spiegel und Medium der Revolution(en), politischer Propaganda und des Konsumbooms. Mithilfe von Archivmaterial aus der Zeit der Islamischen Revolution, des Ersten Golfkrieges und der Grünen Bewegung erzählt Karimis Dokumentation vom jahrzehntelangen ‚Kampf der Wörter’ in Teheran bis zur illegali- sierten Graf ti-Kunst der Gegenwart: „You can’t whitewash the history.“

 

■ SHIRIN BARGHNAVARD: شاعران زندگی/ POETS OF LIFE / SHAERANE ZENDEGI
2017, 73 min.

Ein poetisches Porträt der Reisbäuerin und Umweltaktivistin Shirin Parsi, die auf ihrer Farm in der Nähe des kaspischen Meeres biologischen Reisanbau betreibt. Der Film begleitet Shirin durch eine Saison von der Aussaat bis zur Ernte, und zeichnet das Bild einer kämpferischen Aktivistin, die sich zu- gleich indigenen Traditionen tief verbunden fühlt.

 

■ ZARA ZANDIEH: خوشبختی / KHOSHBAKHTI / HAPPINESS
2015, 6 min.

Ein 8mm-Kurz-Essay über das Glück, gesprochen von Amir. Der Elektroingenieur befragt Vergänglichkeit und Potential von Momenten des Glücks und zitiert dabei philosophische Konzepte aus dem Iran. Im Filmbild verschränken sich dazu üchtige Aufnahmen von Glück – von der Fahrt am Karussell bis hin zum ‚Leerlauf’ des Filmkaders selbst. /  On the basis of Iranian philosophies, in this poetic 8mm-film essay the electrical engineer Amir shares his thoughts on happiness – starting with the question: “What could it be?”

 

■ SOHRAB SHAHID SALESS: در غربت / IN DER FREMDE / DAR GHORBAT
1974/1975, 91 min.

West-Berlin, 1974. Hussein ist Türke, er arbeitet in einer Fabrik. Immer wieder in diesem Film sieht man ihn Metallteile in Form stanzen. Die Abende verbringt er mit anderen Gastarbeitern in der WG. Manchmal geht er aus. Dann sind die Blicke miss- trauisch, ist sein Deutsch holprig. Ein Leben in der Fremde.

 

■ MIRANDA PENNELL: THE HOST
2015, 60 min.

Weiße Handschuhe vor schwarzem Hintergrund: Akribisch erforscht die Filmemacherin Archivaufnahmen und private Auf- zeichnungen. Bild für Bild erschließt sich diese Geschichte über den Einfluss der Ölfirma British Petroleum auf die politische Geschichte des Iran – und über Miranda Pennells Platz darin.

 

■ FARNAZ & MOHAMMADREZA JURABCHIAN: عتراض وارد نیست/ OVERRULED / ETERAZ VARED NIST
2016, 58 min.

Der aus Afghanistan stammende Ismael verbringt Tag und Nacht am Tennisplatz – als Balljunge. Er träumt davon, als Spieler den Durchbruch zu schaffen. Doch wie mehr als eine Million afghanischer Ge üchteter lebt er illegal im Iran: ohne Papiere, ohne Sichtbarkeit, in ständiger Ungewissheit. /

■ SAHAR SALAHSHOOR: FALAKNAZ / فلک نـــاز
2015, 59 min.

„It’s not scary at all. At least not for me.“ Wir begleiten zusam- men mit Salahshoor das Leben der Bäuerin, Mutter, Ladenbe- sitzerin und Lebenskünstlerin Falaknaz Raiisi. Ein direktes und respektvolles Porträt der kämpferischen Persönlichkeit, ihres Alltags in dem kleinen Ort Fat’h-Abad im Westen Irans und ihrer Hoffnung auf politischen Umbruch.

LECTURES:

06.10.2017 | Atelierhaus Akademie der bild. Künste

■ 10:00–11:00
Iran’s Women’s Movement: Photography, Desire and Resistance, Dr. Azadeh Fatehrad (Vortrag / Lecture),
Moderation: Ariane Sadjed

Dr. Azadeh Fatehrad: Iran’s Women’s Movement: Photography, Desire and Resistance
Ausgehend von Archivmaterial entwirft Azadeh Fatehrad eine visuelle und textuelle Darstellung der feministischen Bewe- gung im Iran. Im Besonderen wird sie ihren Essayfilm Women’s Voice / Zaban-e-Zanan (2016) über eine der Mitbegründerinnen des Iranischen Feminismus, Sedique Dowlatabadi (1882–1961), vorstellen. Dr. Azadeh Fatehrad ist Künstlerin und Kuratorin, und an der Kingston University in London tätig. Sie beschäftigt sich mit der Geschichte des Feminismus im Iran von 1909 bis in die Gegenwart.

■ 11:30-13:00
Tehran is the Capital of Iran | Kamran Shirdel (Screening) Stories We Can’t Tell, Sepideh Karami (Vortrag / Lecture)
Moderation: Sahand Riyahi

Kamran Shirdel: Tehran is the Capital of Iran / Teheran, payetakht-e Iran ast
1966, 18 min.
Der Film dokumentiert den Alltag eines Teheraner Elendsviertels im Süden der Stadt. Off-Kommentare begleiten die am italie- nischen Neorealismus geschulten Einstellungen von Armut und Not: offizielle Formulierungen zu den Lebensbedingungen der Menschen werden durch Interviews mit Bewohner*innen sowie von Texten aus damals kursierenden Schulbüchern ergänzt.

■ Sepideh Karami: Stories We Can’t Tell
Sepideh Karami ist Architektin, Wissenschaftlerin und Autorin. In dieser Präsentation erprobt sie dissidente Schreibweisen im Feld der Architektur. Auf Basis ihres abgeschlossenen PhD- Projekts entwickelt ihr Text eine performative Narration über Dissident*innen, welche die Machtbeziehungen bestehender Architekturen unterbrechen und sich diese kritisch aneignen.

■ 16:00–14:00
Under the Skin of the City | Rakhshan Bani-Etemad (Screening), Matthias Wittmann (Vortrag / Lecture)
Moderation: Marie-Noelle Yazdanpanah

In seinem Vortrag widmet sich Matthias Wittmann dem Spiel- und Dokumentarfilmschaffen der Regisseurin Rakhshan Bani-Etemad. Ihre urbanen Balladen, wie Zir-e Pust-e Shahr (Under the Skin of the City, 2001), entfalten eine Sozialgeschichte der Teheraner „Slums der Hoffnung“ (Asef Bayat) und fordern offiziell etablierte Erfolgsgeschichten von Revolution und Krieg im Iran heraus. Matthias Wittmann ist Medienwissenschaftler, Filmkurator, Essayist und Assistent am Seminar für Medienwissenschaft (Basel). Er forscht derzeit im Rahmen des vom SNF geförder- ten Projektes Nachbilder von Revolution und Krieg. Trauma- und Memoryscapes im postrevolutionären iranischen Kino. 

Rakhshan Bani-Etemad: زیر پوست شهر/ Under the Skin of the City / Zir-e Pust-e Shahr
2001, 96 min.
Vor dem Hintergrund der anstehenden Präsidentschaftswahlen im Jahr 1997, einer Zeit aufkeimender politischer Hoffnungen, entwirft dieser Film ein Bild der harschen Lebensbedingungen der Teheraner Arbeiterklasse. Aus feministischer Perspektive erzählt Bani-Etemad von einer Familie, die allein von der resoluten Textilarbeiterin Tuba zusammengehalten wird.

05.10.2017 | topkino
19:00 | Opening Profession: Documentarist | Q&A mit Shirin Barghnavard & Sahar Salahshoor
21:00 | on the set of 1978ff | Q&A mit Sandra Schäfer

06.10.2017 | Atelierhaus Akademie der bild. Künste
10:00–11:00
Iran’s Women’s Movement: Photography, Desire and Resistance, Dr. Azadeh Fatehrad (Vortrag / Lecture)
11:30-13:00
Tehran is the Capital of Iran | Kamran Shirdel (Screening)
Stories We Can’t Tell, Sepideh Karami (Vortrag / Lecture)

16:00–14:00
Under the Skin of the City | Rakhshan Bani-Etemad (Screening), Matthias Wittmann (Vortrag / Lecture)

17:30 | topkino
Writing on the City | Keywan Karimi

19:00 | topkino Poets of Life | Europa-Premiere | Q&A mit Shirin Barghnavard | In Kooperation mit This Human World

07.10.2017 | topkino
16:00 Khoshbakhti | Zara Zandieh
In der Fremde | Sohrab Shahid Saless

18:30
The Host | Miranda Pennell
20:00
Overruled | Q&A mit Farnaz & Mohammadreza Jurabchian
21:30
Falaknaz | Q&A mit Sahar Salahshoor