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Multimedia Installation (Video, Fotografie, Sound), 2018
Soundbearbeitung: Thomas Grill
Mit der Inschrift „The gallop of the courser“ ist eine Skulpturengruppe in Shanghai beschrieben, die Truttmann ins Zentrum ihrer Arbeit stellt. Courser bezeichnet ein „swift or spirited horse“, ein Rennpferd. Die Bewegungen der Pferde sind expressiv in der Skulptur dargestellt. Die Skulptur wirkt wie eine dreidimensionale Bewegungsstudie des Galopps und erinnerte hier an die frühen fotografischen Bewegungsstudien von Eadweard Muybridge (1830-1904), der die Galoppbewegung Einzelbild für Einzelbild aufzeichnete. Truttmann nähert sich den in der Zeit erstarrten Bewegungen, und versetzt diese in Aktivität. Die geschieht nicht nur mittels der laufenden Bilder, also den filmischen Bildern der Videokamera, sondern verstärkt auf der Tonebene. Gemeinsam mit Thomas Grill setzt Truttmann eine Soundscape in den Ausstellungsraum, welche die Struktur der Skulptur, aber gleichsam auch ihren Umraum aufnimmt. Ton und Bild werden getrennt im Ausstellungsraum präsentiert. Die Pferdegruppe ist in ein modernes mehrstöckiges Ensemble von Autobahnen positioniert. Die imaginäre Bewegung der Pferde und die tatsächliche Bewegung der Autos werden im Bild verschränkt. Mit Pferd und Auto sind zwei Transportmittel aus unterschiedlichen historischen Epochen sichtbar, die an diesem Punkt gegenübergestellt werden. Truttmann nähert sich der Pferdegruppe mit langen und wohlkompnierten Einstellungen, die Zeit für die Betrachtung der Situation erlauben. Während bei Muybridge die Bewegung durch das Schweifen des Blicks zusammengesetzt wird, konstruiert Truttmann diese durch audiovisuelle Montage. Positioniert wird ihre Arbeit erneut dreidimensional im Raum und funktioniert in diesem Sinne, wie die Pferdgruppe zu Anfang, als skulpturale Anordnung.
Video Installation (mit Zeichnungen und Collagen), 2016
Aufnahmen vom Meer werden auf einen Paravent projiziert, es ist einer jener Raumteiler, wie er in Krankenhäusern zu finden ist. Ein „medical screen“ wie er im Englischen bezeichnet wird. Der Screen bezeichnet viele Flächen, er verweist auf den Computerbildschirm, das Handy sowie die Kinoleinwand der Massenmedien in denen schockierende Bilder gezeigt werden. Aber hier taucht auch die Referenz zum medical screening, der Vorsorgeuntersuchung, auf. Es ist diese Doppelbedeutung, die Başöz interessiert. Denn es ist das Sorgen, das Vorsorgen und das Umsorgen, Caring, das Basöz in ihrer Arbeit antreibt. Was gibt es zu heilen? Und, wie begegnet die Kunst der fortschreitenden Komplexität der Welt?
Mit „theoretischer Kreativität und ethischem Mut“ in die Zukunft zu gehen schlägt die politische Denkerin Rosi Braidotti vor, anstatt von eines „rückwärtsgewandten Weg[es] der Konstruktion kollektiver Feindbilder“. Başöz ist sich ihrer Situiertheit (ein Begriff von Donna Haraway) bewusst, also einer bestimmten Position, die sie einnimmt und von der aus sie handelt. Im Ausstellungsraum legt sie diese Position aus: neben dem Paravent, der das Meer und angespülte Knochen zeigt, werden Bilder ausgehängt, die ihre Position und ihre Reaktion verbildlichen. Knochen und andere archäologische Funde werden gewöhnlich aus der Erde geborgen, Başöz jedoch betreibt ihre persönliche Archäologie im Meereswasser. Ihre Geschichten werden nicht ausgegraben, sondern angeschwemmt.
Wir verwenden die Schriftart „Suisse Int’l“, die uns freundlicherweise von Swiss Typefaces zur Verfügung gestellt wurde.