■ DATUM:
■ ORT:
■ KONZEPT UND REALISATION:
■ KÜNSTLERINNEN:
■ GÄSTE:
Das Programm umfasst die Vorführung von sechs Kurzfilmen und setzt sich mit Fragen der Wahrnehmung und körperlichen Erfahrung auseinander, wie sie in und durch bewegte Bilder artikuliert werden. Im Zentrum stehen Prozesse des Reframings sowie Perspektivverschiebungen – sowohl seitens der Filmemacherinnen als auch der Protagonistinnen –, die alternative Formen des Sehens und Erlebens eröffnen.
Über die einzelnen Arbeiten hinweg wird ein besonderer Fokus auf die materiellen und physischen Dimensionen des Films gelegt – durch Kameraführung, Montage und Ton – als Mittel, sich den dargestellten Stimmen und Körpern anzunähern. Diese Strategien greifen aktiv in konventionelle Formen der Repräsentation ein und ermöglichen Ausdrucksweisen, die sowohl situiert als auch relational sind. In diesem Sinne folgt die Form dem Inhalt und verdichtet sich zu einer vielschichtigen Montage, die unterschiedliche Perspektiven zusammenführt, ohne deren Eigenständigkeit aufzuheben.
■ CHRISTIANA PERSCHON: NOEMA
HD-Video, Farbe, Ton, 29 Min, 2014
„Noema“ präsentiert audiovisuelle Notizen zu einer Begegnung mit Tatjana, einer 93-jährigen Malerin, die zunehmend ihr Augenlicht verliert. Ihre Gesten werden mit feiner Aufmerksamkeit beobachtet – Haarsträhnen, flüchtige Bewegungen und taktile Handlungen verweben sich mit Reflexionen über Zeit und eine traumähnliche Wahrnehmung von Realität. Die bewegten Bilder folgen dem Arbeitsprozess der Künstlerin, die sich immer stärker auf Berührung, Erinnerung und Vorstellungskraft stützt und dabei Wahrnehmungsformen jenseits des Sehens erkundet.
■ ZERO LIN / ADA BLIGAARD SOBY: MASTER CHEN LIVES ON 88 LUCKY STREET
Digitales Video, Farbe, Ton, 20 Min, 2010
Master Chen hat weder seine Frau, noch seine Tochter oder die sich rasant verändernde Skyline rund um sein Zuhause in Shanghai je gesehen. Seit einer Auseinandersetzung in seiner Jugend ist er blind und verdient seinen Lebensunterhalt als traditioneller chinesischer Masseur für vielbeschäftigte Geschäftsleute. Obwohl er die tiefgreifenden Veränderungen Chinas in den vergangenen Jahrzehnten nicht visuell miterlebt hat, nimmt er sie über die Körper seiner Klienten wahr – seine Hände werden zu einem Instrument, um Zeit und Wandel zu „lesen“.
■ CANA BILIR-MEIER: SEMRA ERTAN (COLLAGE)
Digitales Video, Farbe, Ton, 8 Min, 2013
Semra Ertan, 1956 in der Türkei geboren, zog 1972 in die Bundesrepublik Deutschland. Sie arbeitete als Bauzeichnerin und Dolmetscherin und verfasste über 350 Gedichte. 1982 verbrannte sie sich in Hamburg aus Protest gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus in Deutschland. Der Film versammelt Fragmente, die an ihr Leben und ihre politische Geste erinnern.
■ CLAUDIA LARCHER: SELF
Videoanimation, Farbe, Ton, 8 Min, 2015
Die Haut, das größte Sinnesorgan des Körpers, ist zugleich empfindlich und widerstandsfähig. Sie fungiert als Grenze und als Einschreibefläche – sie speichert, schützt und formt Identität. Larchers Video begreift die Haut nicht nur als Hülle, sondern als bewegliche Schnittstelle zwischen Innen und Außen. Ausgehend von einer Nahaufnahme – Poren, feine Haare und unter der Oberfläche schimmernde Adern – löst sich die räumliche Kohärenz allmählich auf. Vertraute Körperformen werden instabil und gehen in Verzerrungen, Dehnungen und fließende Übergänge über. Die Grenze zwischen Innen und Außen verwischt und mündet in eine verflüssigte, abstrakte Bildlichkeit, bevor der Ausgangspunkt erneut erreicht wird.
■ MARLIES PÖSCHL: THE POOL
Digitales Video, Farbe, Ton, 5 Min, 2014
Drei Frauen befinden sich in einem leeren Schwimmbecken. Ihre minimalistischen, repetitiven Bewegungen oszillieren zwischen Meditation und Widerstand und lassen ein Training gegen eine unsichtbare Kraft erahnen. Der Film stellt Fragen nach Handlungsmacht, Konflikt und kollektiver Praxis: Wer sind diese Frauen, und worauf bereiten sie sich vor?
■ RICCARDO GIACONNI: ENTANGLED (37 MIN)
Digitales Video, Farbe, Ton, 37 Min, 2014
In der Quantenphysik können zwei Teilchen, die miteinander interagiert haben, auch über große Distanzen hinweg in einem Zustand der Verschränkung verbunden bleiben und weiterhin Informationen teilen – ein Phänomen, das Einsteins Verständnis von Relativität herausforderte. Ausgehend von diesem Konzept verwebt der Film vier Interviews, die in Cali, Kolumbien, geführt wurden. Ein Schneider, ein Puppenspieler, ein Parapsychologe und eine Physikerin berichten von scheinbar unabhängigen Ereignissen: dem Verschwinden einer Kuh, einer Form der Besessenheit, einem Paradox der Quantenmechanik und einem Busunglück, das durch einen Löwen auf der Straße verursacht wurde. Nach und nach treten subtile Verbindungen zutage, die ein zugrunde liegendes Beziehungsgeflecht andeuten und Fragen nach Kausalität und „Fernwirkung“ aufwerfen.
Wir verwenden die Schriftart „Suisse Int’l“, die uns freundlicherweise von Swiss Typefaces zur Verfügung gestellt wurde.